WELTPREMIERE: “Le Slam des Romanciers – Der Slam mit Romanautoren”

Ich lasse den SLAMER aus dem Tank!

Beim angeblich weltweiten 1. Slam für Roman-Autoren. Okay, ich weiß schon: Man kann und darf sich unbedingt die Sinnfrage stellen… Macht es Sinn, in 10 Min. einen Roman zu präsentieren? Ordnet man sich vielleicht nicht ein bisschen zu sehr dem Aufmerksamkeitsdefizit als gesellschaftlichem Konsens unter? Kann schon sein. Ich bin als Teilnehmer zur Weltpremiere gekommen, weil es unter den Slamern bei Facebook Zweifel an der Existenz von Roman-Autoren gab, die genug Eier haben, bei einem Slam mitzumachen. Gegen Vorurteile oder Berührungsängste unter kreativen Menschen bin ich unbedingt – und ich glaube selbst bei Personen mit einem klaren Feindbild an eine Restchance Lernfähigkeit. Deshalb habe ich gleich mal meinen Hut in den Ring geworfen – und der Veranstalter Christian Ritter hat ihn aufgenommen.

Heute, 20.10. um 20 Uhr 15 in der Posthalle Würzburg:

KRIEGSGEBIETE bei “Le Slam des Romanciers”. Gegen 3 (auch noch gute) Romane aus der Humor-Abteilung. Also quasi ein Slam-Selbstmord-Kommando. Technische Hilfsmittel sind wie immer nicht erlaubt. Ich trete trotzdem mit dem Überresten meiner Erkältung an.

Nachtgebiete – Gwaaf zur Nacht

Einem Nichthofer zu erklären, was GWAAF ist, gestaltet sich schwierig: Es ist tiefsinniger als “Small Talk”. Kann aber mit “Gedankenaustausch” nicht wirklich mithalten – trotzdem ist GWAAF irgendwie philosophisch. Vor allem nach drei Bier. Es ist bösartiger als ein “Plausch” – und doch auf oberfränkische Weise freundlich bis unverbindlich (“ich will ja nix sagn”). Brauchts des werklich? Keine Ahnung. “Mir” probieren halt gerne neue Sachen aus. Man gönnt sich ja sonst nix. Am 10.10. um 20 Uhr 15 im Kunstkaufhaus Hof.

 

ABSURD: Der Nazi-Shirt-Verkäufer von heute ist der Plattgemachte von morgen

ABSURD. Im Sinne von “beziehungslos, hirnverbrannt, leichtgläubig, sinnwidrig, abwegig und falsch”. Vielleicht auch ein bisschen zu sehr, aufs gute Geschäft bedacht – wie immer, wenn man mit den eigenen Henkern Geschäfte machen will.

DIE DOPPLUNG DER EREIGNISSE.

GESTERN ABEND in der Stadtbücherei Hof: Lesung mit Leonhard F. Seidl aus “Mutterkorn”. Im Roman werden unter anderem aus linker Gegen-Demonstranten-Sicht die Ereignisse aus Rostock-Lichtenhagen 1992 geschildert. Tagelang belagerte ein ausländerfeindlicher Mob von bis zu 2000 Menschen das Sonnenblumenhaus und ein benachbartes Wohnheim. Steine/Flaschen/Molotow-Coctails. Feuer. Irgendwann jagen Männer mit Äxten “Opfer” durch die Flure. Menschenjagd. Die Zeugen des Pogroms applaudieren. Immer wieder Rufe “Deutschland, den Deutschen!”. Es herrscht Volksfeststimmung. Das Foto eines betrunkenen Schnauzbartträgers im deutschen Fußballnationaltrikot und mit vollgepisster Trainingshose, der die Hand zum Hitlergruß hebt, geht um die Welt. Ich schäme mich für mein Land, obwohl ich Fußball echt mag.

GESTERN MORGEN irgendwo in Tschechien auf einem Vietnamesen-Markt: Es ist noch verdammt kalt. Herbst. Überall noch Nebel. Und dann reibe ich meine noch verquollenen Augen. Zwischen einem gefälschten Trikot der argentinischen Nationalmannschaft mit dem Namenszug “Messi” und einem nicht mal so guten T-Shirt der wunderbaren Heavy-Metal-Band “Motorhead” (hey, Leute: Lemmy Kilmister wäre unbedingt auf meiner Seite) prangen gleich mehrere Shirts der Nazi-Band “Landser”. Sie wurde wegen ihrer menschenverachtenden Texte als erste Musikgruppe überhaupt 2003 zur kriminellen Vereinigung erklärt.

Fremdschämen. Viele der Betroffenen, die in Rostock-Lichtenhagen Opfer rassistischer Gewalt wurden Todesangst hatten – waren Vietnamesen. Vielleicht spielt es im Zeitalter der Globalisierung keine so große Rolle mehr, von wem und wie und warum man umgebracht wird. Vielleicht ist es auch ein besonders fieser Schachzug, wenn man seine potentiellen Feinden noch eins auswischt, in dem man ihnen Textilwaren verkauft, für deren Herstellung in Asien Leute in sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen ausgebeutet wurden. Eventuell hat man einfach die Geschichte vergessen. Das kann sogar Nazis passieren. Oder man weiß das ALLES. Dann ist es aber “absurd” (siehe oben).

Okay. Kann sein, dass der Verkäufer keine Ahnung hat, was er da ausstellt. Wenn ich das Shirt das nächste Mal sehe, dann spreche ich den vietnamesischen Händler darauf an. VERSPROCHEN.