KRIEGSGEBIETE – die 1. Rezension ist da!

Siegfried R. Krebs schreibt (Zitat):

“Die Spannung, der Thrill, dieses Buches machen keine Action-Szenen aus. Sie baut sich auch nicht durch billige, oberflächliche Effekte auf. Sondern einzig allein aus dem Erzähl- und Sprachstil des Autors. Kurze, kürzeste, präzise Sätze zeichnen, beschreiben den tragischen Helden als professionellen Soldaten – in seinem Denken, Fühlen und Handeln. Selbst die Beschreibung körperlicher Anspannungen fügt sich hier ein.

Ja, gerade durch Sprangers Schreibstil gewinnt Daniel an Kontur, wird zu einem glaubhaften Charakter: ungekünstelt, wirklichkeitsnah, geradlinig.

 Es ist ein notwendiges Buch, ein aufklärerisches Buch – und zugleich voller packender Spannung.”

Die vollständige Rezension findet Ihr hier:

http://www.freigeist-weimar.de/beitragsanzeige/kriegsgebiete-vier-tage-im-leben-des-daniel-schramm/

Leseprobe KRIEGSGEBIETE

In den Wald zu laufen war ein bisschen wie Stargate:  als würde Daniel plötzlich eine andere Welt betreten. Er hatte einen Einsatz zu viel in einer waldlosen Weltregion hinter sich. Zuerst strömte das Glücksgefühl bis in die Nervenenden. Dann gesellte sich etwas anderes dazu, etwas Dunkles, Haariges, das von den Nervenenden zurückkam. Die Jahrtausende der Menschheit hatten im Instinkt ihre Spuren hinterlassen. Den Wald bedrohlich finden, obwohl der letzte Bär im Fichtelgebirge im Jahr 1769 erlegt wurde. Während man bedenkenlos über eine Kreuzung geht, obwohl ein Formel-1-Fan den Motor seines tiefergelegten Autos aufheulen lässt. Dem Bauchgefühl konnte man nicht trauen. Daniels Ausbildung bahnte sich in seinen Gedanken einen Weg und sorgte für eine geordnete Bestandsaufnahme: Die Geräusche machen dich nervös. Knacken. Rascheln. Knirschen. Du erwartest, dass hinter dem nächsten Baum ein Mensch stöhnt, aber es stöhnt keiner. Stattdessen schreit irgendwo ein Tier. Du weißt nicht, was für ein Tier. Vielleicht irgendeine unentdeckte Art. Wenn du alleine bist, spricht der Wald mit seiner wahren Stimme, die er bei einer Wandergruppe der Naturfreunde verstellt. Man bemerkt das Fehlen der Stadt. Das Fehlen von zu vielen Leuten. Nur der Wind in den Baumwipfeln. Ohne das gleichmäßige Geräusch einer Durchgangsstraße. Keine lauter werdende Musik aus näher kommenden Autos. Keine Erdbeben-Bässe und übertriebenes Lachen neben dir an der Ampel. Im Wald spürst du den Bass in dir. Bumm-Bumm-Bumm-Bumm-Bumm. Und das elektrische Surren auf deiner Haut. Der Wald riecht auch anders. Nicht nach Döner und Abgasen. Gleichzeitig nach Leben und Moder. Das Licht, das durch die Bäume fällt, trägt bereits Schatten in sich. Die Dunkelheit versammelt sich um dich. Jeden Moment erwartest du, dass die Bäume das Sprechen anfangen. Wie in Der Herr der Ringe. Schon am Tag sind die Schatten zu lang. In der Dämmerung sind sie noch länger. Sie greifen nach dir. Warum  hast du jetzt die Dämmerung im Kopf, obwohl es Morgen ist?, fragte sich Daniel, während er mit einem Satz auf einen großen Holzstapel sprang und darüberrannte. Vor solchen Wäldern hatten die römischen Legionäre Angst. Damals waren die Gehölze noch viel dichter. Urwald. Ihre ganzen erprobten Schlachtaufstellungen und die Reiterei waren nutzlos wie Leopard-2-Panzer in den Bergen Afghanistans. So waren die Legionen des Varus im Teutoburger Wald von der Landschaft besiegt worden. Niedergemacht in einem tagelangen Hinterhalt. Ein Soldat nach dem anderen. Guerillataktik. Die Legionäre wünschten sich nichts mehr als eine schnurgerade, steingepflasterte römische Straße.

Daniel wusste: Auf einem Waldweg bist du unterwegs, aber nicht in Sicherheit. Du erwartest, dass nach dem Wald nichts mehr kommt. Wölfe sind ausgerottet. Du hast es in der Schule gelernt, aber die Bäume sprechen ihre eigene Sprache. Dir fallen alle Märchen ein, in denen Wölfe erscheinen. Der Wald macht dir so schön Angst, dass du es in dein Tagebuch schreiben möchtest. Wenn du keins führst, fängst du jetzt damit an. Vielleicht hätte ich in Afghanistan Tagebuch führen sollen. Und dann exklusiv verkaufen. An den Stern. Vielleicht wäre es verfilmt worden. Von den Filmrechten hätte ich mir eine Yacht gekauft. Eine Yacht wäre nicht schlecht. Wegsegeln und irgendwo ankommen. Aber es gibt kein Tagebuch. Es gibt nur die Gegenwart.

War da nicht was? In der Gegenwart. Etwas, das da nicht hingehörte? Schritte hinter ihm. Natürlich konnte jeder hier joggen. War ja ein freies Land. Daniel sprang vom Weg in den Schatten eines großen Findlings. Er ging in die Hocke und hielt die Luft an. Jetzt konnte er keine Schritte mehr hören. Langsam stand er auf. Mit der Brust presste er sich gegen den Granit. Er schaute über den Stein in die Richtung, aus der er gekommen war. Kein anderer Jogger. Kein Wanderer. Nichts. Das Nichts war so offensichtlich, dass es ihn anschrie. Er dachte an sein verschwundenes Messer. Jetzt hätte er es gerne dabeigehabt. Seit dem Hinterhalt in Afghanistan wusste er, dass man vielleicht Geräuschen trauen durfte, aber niemals Ruhe. Wenn es einen anderen gab, hatte er sich verdammt gut versteckt. Langsam tat es in der Lunge weh, die Luft anzuhalten. Daniel atmete aus. Und ein. Um ihn herum scheinbar nur Wald. Er glaubte nicht an das Szenario. Mit den Händen drückte er sich vom Granit ab und sprang hinter dem Fels hervor.

„Hey!“, schrie Daniel. „Hey, komm raus!“

Natürlich kam keiner raus. Nur Vollidioten gaben ihre Deckung in so einer Situation auf. Amateure. Deshalb hatte er bei einem Einsatz nie gerne Journalisten dabei. Die wollen reden. Verletzte bleiben liegen. Sie machen sich ganz klein. Man musste schon ein Rad ab haben, um die Deckung aufzugeben.

Daniel rannte auf den Waldweg zurück und brüllte:

„Komm raus, ich kann dich sehen.“

Jetzt gab er eine sehr gute Zielscheibe ab. Er präsentierte sich auf dem Silbertablett. Alles was wir tun, ist nur ein Warten DARAUF, dachte Daniel.

Er rannte zwanzig Meter nach vorne. Dabei schaute er nach links und rechts. Nur Bäume. Kaum Unterholz. Noch zehn Meter weiter. Daniel hatte keine Ahnung, wie ein Sieg aussehen konnte. Er blieb stehen. Das Bösartige an Guerillataktiken war, dass es keinen Feind gab, den man bekämpfen konnte. Daniel hätte gerne gekämpft, aber heute war kein Tag dafür. Er brauchte einen Moment, bis er sich damit abgefunden hatte. Kräftig ausatmen. Und einatmen. Es ist immer gut, sich der eigenen Atmung zu versichern. Dann loslaufen. Daniel lief in die Richtung zurück, aus der er gekommen war. Keine durchdachte Taktik, etwas dünn, aber immerhin eine klare Vorgehensweise. Entweder würde sich der Feind ihm entgegenstellen oder er würde flüchten. Oder er würde ihn einfach von hinten abmurksen. Das war das Wahrscheinlichste. Er hatte Angst. Angst akzeptieren. Sie war kein Handicap. Ohne Angst konnte man nicht überleben.

BONANZA

Hier mal ein alter Text für meinen alten Freund Hence. Prähistorisch. Ein Anachronismus. Bonanza ist ziemlich weit weg – aber warum soll man nicht mal persönlich werden.

 

MIT DEN CARTWRIGHTS IM STRASSENCAFE

Noch ohne die im Frühlingstaumel frisch gewaschenen Tischdecken werden an den übermütigen Apriltagen die billigen Plastikgartenmöbel vor das Straßencafe gestellt, um mit der ersten Sehnsucht nach stundenlangem Pernodtrinken vor südländischen Bars ein schnelles Geschäft zu machen. Das Plastikweiß stiert in die Augen bis Tränen zurückschauen, ganz so, als wolle der Kunststoff auf seine Überlegenheit aufmerksam machen. Wie immer, wenn die Geräusche der Stadt zu einer neuen Komposition ausholen, klopft mein Fuß den Rhythmus von ,,LET’S GET LOST“ in den Straßenlärm, verfehlt ihn knapp, legt sich darüber und tanzt noch eine ganze Zeit lang dort, wo nur noch die Hunde etwas hören. Das macht: TUTUTU-TUTUTUTUT und die Hunde spitzen die Ohren.

Dann denke ich ein bisschen über James Joyce nach, aber nicht zu lange, und bestelle mir noch einen Pernod, bevor ich zu meinem Freund Hence sage:

„Wenn es nach mir ginge, könnte die Zeitung von dem Dicken da drüben in Flammen aufgehen.“

Hence zuckt mit den Schultern und sagt:

„Warum nicht? So ging immer BONANZA los und dann haben die Cartwrights durch das Loch geschaut.“

„Was ist aus den Cartwrights geworden?“ frage ich.

„Die Pumpe von Hoss hat irgendwann nicht mehr mitgemacht. Zu viele Risikofaktoren. Ben wurde noch Weltraumkommandant, bevor er in die Ewigen Jagdgründe überwechselte. Little Joe hat der Krebs geholt und Adam ist schon immer mit Toupet angetreten.“

„Das waren die Schauspieler. Aber was ist bloß aus den Cartwrights geworden? Die hatten nie eine Frau, oder?“

„Little Joe war einmal verheiratet. Die Frau ist von einem Felsen gestürzt.“

„Das zählt nicht.“

Dann reden wir noch eine Weile, dass man jetzt schon Weißbier in 0,3-Liter-Gläsern ausschenkt, dass die Erde untergeht und das Geld nicht ausreicht, um wenigstens bis nach Australien zu kommen, und dass es Zeit ist für den nächsten Pernod. Das weiße Plastik bohrt weiter in den Augen, aber mein Fuß klopft trotzdem den Rhythmus von ,,LET’S GET LOST”, viel schneller als die Version von Chet Baker, der aus dem Fenster eines Amsterdamer Hotels stürzte, ein Stück flog und dann hart auf dem Straßenpflaster aufschlug.

„Es gibt nichts mehr zu verlieren, sage ich, während eine Kellnerin in einem sehr kurzen Mini-Rock den nächsten Pernod bringt.

YAHOO! vs. APOKALYPSE

Immer wenn ich bei YAHOO ganz privat meine Mails abrufen will, schreit mich die Öffentlichkeit an. Die neuesten Nachrichten. Schön aneinandergereiht mit Foto im YAHOO-Magazin.

RIHANNA fast hüllenlos auf dem roten Teppich.

Obwohl sie vergangene Woche Gerüchten zufolge noch an Bronchitis und Kehlkopfentzündung gelitten hatte. Vielleicht, weil sie schon beim letzten Event halb nackt gewesen war. Anders halb nackt allerdings. Immer zu wenig an in der kalten Jahreszeit. Ich kann mich an das Foto erinnern. Mehr in Leder. Konnte allerdings nicht mit Lady Gagas Fleischkostüm mithalten, obwohl ich Lady Gaga – und das muss mal gesagt werden – absolut unsexy finde, weil ihre bei Madame Tussauds modellierten Wachsfiguren, deutlich lebendiger ausschauen als die richtige Gaga. Oder ihr Klon. Oder ihr Roboter. Oder das, was überall ist.

Mir fallen diese Artikel überhaupt nicht auf, wenn ich meine Mails aufrufe“, sagt meine Frau.

Dabei schaut sie mich überlegen an. Und ich kann auch gar nichts dagegen sagen. Die Überlegenheit ist greifbar.

Merke:

Frauen sind zwar multitaskingfähig, aber nur: wenn sie es wollen.

Männer sind nicht multitaskingfähig, aber: sie lassen sich leichter ablenken.

Vielleicht richten sich die YAHOO-Artikel ausschließlich an Männer. Rihanna trägt ein Abendkleid, bei dem sich immer eine Schicht Plüsch oder gepresster künstlicher Schnee mit einem durchsichtigen Dingens, als mit nix, abwechselt. Sie sieht aus wie eine Torte mit Lächeln darüber. Und die Haare wieder anders.

Aber ich muss schon sagen, dass dem weiblichen Teil der User etwas entgeht. Nämlich unsere globale Befindlichkeit.

Direkt nebeneinander die Artikel:

STEHT DIE APOKALYPSE SCHON BALD BEVOR?

Und

DIESE STARS SIND ÜBERGEWICHTIG

Natürlich klicke ich zuerst die Übergewichtigen an. Ronaldinho. Mariah Carey. Britney Spears. Die üblichen Verdächtigen. Aber alle samt schlanker als die Ohne-Gemüse-Esser vor dem „Katastrophen-Imbiss“.

Dann also doch die Apokalypse. Der Riesenstern Beteigeuze verliert immer mehr an Masse und könnte sich schon bald in einer Supernova-Explosion selbst auslöschen. Sollte der Riesenstern tatsächlich Selbstmord begehen, so besteht nach Ansicht eines Physik-Professors keine Gefahr für die Menschen. Nach der Explosion würden allenfalls harmlose, winzig kleine Neutronenteilchen auf die Erde niederregnen. „Diese werden durch die Erde hindurch strömen“, wird der Wissenschaftler zitiert. „Und zwar ohne dabei einen Schaden anzurichten.“

Ich finde es prinzipiell scheiße von Neutronenteilchen durchströmt zu werden, während man auf gesunde Ernährung achtet und so, aber mein physikalischer Sohn hat mir erklärt, dass das überhaupt keine „Neutronen“ seien sondern „Neutrinos“. Klingt niedlicher und beruhigt mich ungemein, weil YAHOO nicht Recht hat. Meistens geben die Überschriften nicht so viel her wie die Wirklichkeit. Wenn es eine Wirklichkeit geben sollte.

Virtuelle Realitäten.

Paralleluniversen.

Chaostheorie.

Gibt es ja alles.

Auf die Naturwissenschaften kannst du dich nicht mehr verlassen, aber ich fühle mich nicht lebensbedroht. Jedenfalls nicht stärker als gewöhnlich.

Aus solchen Überlegungen werde ich manchmal von der Frage aufgeschreckt:

Ich gehe ins Bett. Kannst du den Trockner ausschalten, wenn er tutet?“

Das ist eine essentielle Frage, denn der Trockner sendet wirklich einen fiesen Hallo-Wach-Dauerton durchs Haus. Der Trockner klingt immer, als würde ein Borg-Angriff auf die Enterprise unmittelbar bevorstehen.

Blitzschnell war YAHOO beim Tod von SEXY CORA. Vielleicht hätte ihr das gefallen. So schnell eine Nachricht zu sein. Die Lady war ja auch sonst schnell. Sechste Brust-OP mit 23. Ich wusste bisher nicht mal, dass es eine Körpchen-Größe „G“ gibt – und kann sie mir auch überhaupt nicht vorstellen. Das ist ja supernovamäßig. Ich meine: Das macht ja irgendwann BOOOMMMM!! Die Haut ist auch nur ein Organ. Tot? Na, und?Endlich ist SEXY CORA eine Schlagzeile in der BILD-Zeitung. Und eine eigene Serie. Wie alles begann. Ein toter Pornostar muss nicht mehr ins Dschungel-Camp. Stattdessen in einem rosafarbenen Sarg beerdigt. Und ein längerer Wikipedia-Artikel als für Mark Linkous, dem depressiven Band-Leader der Band SPARKLEHORSE, der sich am 06. März 2010 ins Herz schoss. Ganz ohne YAHOO-News. Ich habe erst Wochen später davon erfahren. Das war ein Moment, in dem ich mich fragte, ob ich heulen oder noch ein Bier aufmachen soll.

Machst du den Trockner aus?“

Klar.“

Aber erst mal knalle ich mir SPARKLEHORSE durch die Gehörgänge. Laut. Wie es sich für einen lebendigen Menschen gehört. Trinke Bier und überhöre den Trockner und alle anderen eingehenden Nachrichten. Anrufbeantworter kann ich auch nicht leiden.

 

Premierenlesung KRIEGSGEBIETE

23. Mai 2012 – 20 Uhr 30

Galeriehaus Hof, Sophienstr. 28, 95028 Hof

ROLAND SPRANGER liest
erstmals aus seinem neuen Roman KRIEGSGEBIETE, der im Münchner „Bookspot Verlag“ erscheint.KRIEGSGEBIETE ist ein packender Thriller vor dem aktuellen Hintergrund weltweiter Krisenherde und den psychischen Belastungen der Soldaten, die Extremes erleben müssen.
Inhalt:
Schwer traumatisiert kehrt Daniel aus seinem Afghanistan-Einsatz zurück in die Heimat, in der er sich nicht mehr zurechtfindet. Seine Ehe geht in die Brüche, seine Frau Melanie zieht mit der gemeinsamen Tochter zu ihrem neuen Freund. Daniels Leben hat einen absoluten Tiefpunkt erreicht.Da geschehen in seinem Umfeld mehrere grausame Morde. Von der Polizei als Täter verdächtigt, beginnt er auf eigene Faust zu recherchieren, wer hinter den Verbrechen steckt. Oder ist er tatsächlich der Mörder? Ist er wirklich so schizophren, dass ein Teil seiner Persönlichkeit Verbrechen begeht, an die sich der andere Teil nicht erinnern kann?

Bei der Premierenlesung wird der Autor von dem Schauspieler und Musiker TIM RIEDEL unterstützt.
Als Verlagsvertreterin des Bookspot Verlags wird an diesem Abend die Lektorin EVA WEIGL anwesend sein.

Sterne-Nacht

12. Mai 2012 – 20 Uhr

Buchhandlung Kleinschmidt, Ludwigsstr. 13, 95028 Hof

Im Rahmen der “Sterne-Nacht” plaudern die Autoren Thanos Kießling und Roland Spranger bei einem Campari über Bücher.

Ich stelle einen superschnellen Krimi, den besten Western aller Zeiten, laute Verse und ein Buch, das rockt (!!!), vor.

KÖRPERBEHAARUNG

Versuch dir mal eine Welt ohne Kriege vorzustellen. Das geht ja gar nicht. Eine Welt ohne Kriege. Das kann man sich ja gar nicht vorstellen. Krieg gabs doch schon immer. Die haben damals den Faustkeil nicht nur erfunden, um Scheiben aus einem toten Wollnashorn zu schneiden sondern auch um den Neandertaler ein klein wenig auszurotten. Und meinst du in Zukunft ist das anders? Dann gäbs ja nur friedfertige Science-Fiction-Filme. Aber es gibt Star Wars! Und das brauchen wir! Was gäbs denn ohne Krieg? Kein Star Wars. Kein Herr der Ringe. Kein Shakespeare. Kein Troja mit und ohne Brat Pitt. Es gäb überhaupt keine Kultur. Nix.
Ich versuch mir, was anderes vorzustellen. Was leichteres. Eine Welt ohne Körperbehaarung beispielsweise. Das ist machbar. Und alle arbeiten dran mit. Musst du mal in mein Fitnessstudio mitkommen. In die Männerumkleidekabine – aber nur wenn du ein Mann bist. Frauen in der Männerumkleidekabine gibt’s nur im Porno, verstanden? In meinem Fitnessstudio war noch nie eine Frau in der Männerumkleide. Dafür gibt’s diese ganzen Jungens, die sich die Brust rasieren. Keine Haare mehr drauf, aber lauter kleine rote Pusteln. Ist das sexy? Kleine rote Pusteln? Angeblich würden ja nur 5 von 100 Frauen einen Mann wegen seiner Körperbehaarung nicht wollen. Und diese 5 sind vermutlich viel schärfer, als die 10, die behaarte Typen bevorzugen, und schon greifst du zum Rasierer. Man darf nicht alles glauben, was in der Werbung kommt, aber wie die 2 Mädels Til Schweiger über die nackte Brust streicheln, oh Mann. Braun gebrannt. Verboten gut aussehen mit Til Schweiger. Natürlich will keiner aussehen wie Til Schweiger oder gibt’s hier jemanden? ….  Aber: Die 2 Mädels in den Latexanzügen sind scharf!! Vor allem die Dunkehaarige. Ich trimme mir auch die Brusthaare. Das ist ein Kompromiss. Obwohl ich nicht weiß, ob man in einer enthaarten Welt mit einem Kompromiss durchkommt. Es gibt einen strengen Kodex wie ein Körper auszusehen hat. Schau dir mal einen heutigen Porno an. Die Intimrasur ist allgegenwärtig. Lauter Kindermuschis und Kinderpippis. Ohne Haare macht jünger. Mit Haaren ist ziemlich ausgefallen. Eine Sparte für sich. „Behaart“. Unter dieser Kategorie ficken unrasierte Körper.
Mit den entsprechenden Geräten kannst du dich sogar unter der Dusche trimmen. Würde ich nie machen. Das ist ja als würde ich beim Nassrasieren in die Steckdose langen. Wann ist eigentlich dieser ganze Enthaarungswahn aufgekommen? Zeitgleich mit der Ausbreitung von AIDS? Fell hat ja irgendwas wildes, animalisches – und wir sind doch alles kleine Kontrollfreaks. Ja, das gibt jetzt wieder keiner zu. Ist ja jeder so spontan! Aber dauernd die Kamera dabei, damit du die Fotos bei Facebook einstellen kannst. Die Fotos, die du mit ausgestrecktem Arm von dir selbst aufnimmst, während die geilen Latexladies über deine unbehaarte Brust streicheln. Unbehaart, Latex, alles ganz clean, alles ganz hygienisch. Ich finde Enthaarung beim Mann hat ihre natürlichen Grenzen und mit Grenzen meine ich die Beine. Schaut euch mal die enthaarten Bundesligaspieler an. In den Achtzigern hatten die noch Vokuhila mit Oliba. Vornkurzhintenlang mit Oberlippenbart. Mehr als die Hälfte aller Bundesligaspieler hatten einen Schnauzbart. Das waren noch Zeiten. Da haben Fußballer noch ausgesehen wie Fußballer eben. Jetzt sehen sie mit ihren rasierten Beinchen aus wie Eiskunstläuferinnen.
Am Meisten macht Enthaarung Spaß, wenn man sie live bei anderen sehen kann. Zum Beispiel bei irgendwelchen Modelfressen, die Top-Modelfressen werden wollen. Bei einer denkwürdigen Folge von „American’s Next Topmodel“ durfte ich Zeuge werden, wie einigen jungen Damen der BikiniBereich heiß gewachst wurde. Natürlich hat die Kamera nicht voll draufgehalten auf den BikiniBereich und so, aber die Gesichter. Diese weit aufgerissenen Augen. Diese entgleisten Gesichtszüge. Die Schreie. Fast wie Krieg. Krieg gegen einen selbst. Gegen die Natur. Damit wären wir wieder am Anfang. Ich kann mir eine enthaarte Welt vorstellen.